Die Menschen auf Tikehau sind tief religiös. Die Unwägbarkeiten und Gefahren des Alltags lassen sie oft im Gebet versinken. Es ist aber eine ganz andere religiöse Einstellung als bei uns. Bei den Gottesdiensten und kirchlichen Versammlungen geht es recht fröhlich zu. Man merkt sofort, dass es hier keine Amtskirchen gibt. Das Vertrauen in die Kirche muss jeden Tag neu gefestigt werden. Und so entstand eine einmalige Mischung aus Fröhlichkeit und tiefer Frömmigkeit, die jede Messe auszeichnet.

Besonders interessant sind Taufen bei den Sanito - einer Mormonenabspaltung, der auf Tikehau etwa 40% der Menschen angehören. Nach einer Taufmesse werden die Täuflinge, die oft schon im jugendlichen Alter sind, in einer Prozession durch das Dorf zur Lagune geführt. Dort gehen sie in voller Festkleidung ins Wasser und werden vom Priester getauft, d. h., kurz mit zugehaltener Nase ins Wasser getaucht. Die Glaubensrichtung der Sanito zeichnet sich durch recht strenge Alltagsregeln aus. Rauchen und Alkohol sind tabu! Familienleben und gegenseitige Solidarität innerhalb der weiteren Verwandtschaft werden groß geschrieben. Auf die Katholiken schauen sie ein wenig verächtlich hinab, da diese rauchen und trinken, was nach Meinung der Sanito zu erhöhter Lasterhaftigkeit führt..

Einen Höhepunkt stellt wohl eine Hochzeitsfeier dar. Nach einem Gottesdienst in Tahitianisch und Französisch versammelt sich die Hochzeitsgemeinde in einer stundenlangen Feier, während der die wichtigsten Gäste lange Reden halten. Bei überreichlichem Essen - auch hier absolut ohne Alkohol und Tanz - gibt es lebhafte Gesänge, begleitet von Ukulele und Gitarre. Besonders beeindruckend war das Einwickeln des Brautpaares in einen riesengroßen Pareu.

Aber auch die ganz normalen Messen stellen für jeden Besucher ein absolutes Highlight dar. Hier gibt es vor allem bei den tahitianischen Liedern (“himene”) unvergeßliche Eindrücke. Besonders tief beeindruckt hat mich einmal ein Gottesdienst am Abend. Nach einem Stromausfall sangen die Menschen im Dunkeln weiter. Nach und nach wurden einige Kerzen angemacht, und ihr sanftes Flackern, begleitet vom Klang der Ukulele und dem Gesang der Gläubigen, hätten wohl auch einen hartgesottenen Atheisten vom Vorhandensein göttlicher Kräfte überzeugt!